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Plan B Neustart im Beruf

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Angst, nach dem Jobwechsel keinen neuen Job zu finden?

Wenn die Angst stärker ist als der Wunsch nach Veränderung

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hielt mich nicht mein Beruf fest. Es war die Angst. Nach außen betrachtet hatte ich alles erreicht, was viele Menschen sich wünschen: einen sicheren Arbeitsplatz als Redakteurin in einem großen Hamburger Verlagshaus, ein gutes Einkommen, spannende Begegnungen und einen bekannten Arbeitgeber. Eigentlich hätte ich zufrieden sein müssen. Doch tief in meinem Inneren spürte ich schon lange, dass ich nicht mehr am richtigen Platz war. Ich wollte Menschen nicht länger nur interviewen und über ihre Geschichten schreiben. Ich wollte sie dabei begleiten, selbst ihre Geschichte neu zu schreiben.

Diesen Wunsch schob ich jedoch immer wieder beiseite. Nicht, weil ich zu bequem war oder keinen Mut hatte, sondern weil ein Gedanke alles andere überlagerte: „Was ist, wenn ich kündige und keinen neuen Job finde?“

Diese Angst wurde zu meinem täglichen Begleiter. Heute weiß ich, dass Angst selten laut schreit. Sie flüstert. „Warte noch ein bisschen.“ Oder: „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“ Sie tarnt sich als Vernunft und hält uns genau dort fest, wo wir längst nicht mehr hingehören.

Rückblickend war nicht mein Arbeitgeber mein größtes Hindernis. Nicht mein Alter. Nicht der Arbeitsmarkt. Mein größter Gegner war die Angst. Erst als ich verstand, dass Vertrauen und Mut ihre stärksten Gegenspieler sind, begann sich mein Leben zu verändern. Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel. Vielleicht erkennst Du Dich darin wieder.

Warum unser Gehirn lieber unglücklich als unsicher ist

Wenn Menschen zu mir in die Beratung kommen, glauben viele zunächst, sie seien einfach nicht mutig genug. Dabei reagieren sie völlig normal. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Gefahren zu vermeiden. Vor tausenden Jahren war das überlebenswichtig. Wer unbekanntes Terrain betrat, setzte sich echten Risiken aus. Dieses uralte Schutzprogramm arbeitet noch heute. 

Dieses Phänomen beschreibt der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman in seiner Forschung zur Verlustaversion. Er konnte nachweisen, dass Menschen mögliche Verluste emotional deutlich stärker gewichten als gleich hohe Gewinne. Genau deshalb fällt es uns oft so schwer, einen sicheren Arbeitsplatz aufzugeben – selbst dann, wenn wir dort längst nicht mehr glücklich sind.

Der Arbeitsmarkt ist besser als sein Ruf

Wer täglich Nachrichten verfolgt, könnte glauben, dass Unternehmen ausschließlich Stellen abbauen. Tatsächlich verändert sich unsere Arbeitswelt rasant. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern viele Berufe. Gleichzeitig erleben wir jedoch den größten demografischen Wandel seit Jahrzehnten. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gehen in den kommenden Jahren Millionen Babyboomer in den Ruhestand. Schon heute fehlen qualifizierte Fachkräfte in zahlreichen Branchen – vom Handwerk über den Mittelstand bis hin zu kaufmännischen Berufen. Die aktuellen Analysen des IAB findest Du hier: https://www.iab.de

Auch die Bundesagentur für Arbeit weist in ihren Arbeitsmarktberichten regelmäßig darauf hin, dass der Fachkräftebedarf in vielen Bereichen hoch bleibt und sich der Arbeitsmarkt durch den demografischen Wandel grundlegend verändert. Die aktuellen Zahlen und Entwicklungen kannst Du hier nachlesen: https://statistik.arbeitsagentur.de

Die gute Nachricht lautet: Die Chancen auf berufliche Veränderung sind deutlich größer, als viele Menschen glauben. Unternehmen suchen heute nicht nur Lebensläufe. Sie suchen Persönlichkeiten. Menschen, die Verantwortung übernehmen, sich weiterentwickeln möchten und Erfahrungen mitbringen. 

Was Du wirklich mitbringst

Vielleicht arbeitest Du seit fünfzehn oder zwanzig Jahren im gleichen Unternehmen. Vielleicht glaubst Du inzwischen selbst, nur genau diesen einen Job machen zu können. Genau das höre ich häufig in meinen Beratungen. Wenn wir jedoch gemeinsam genauer hinschauen, entsteht plötzlich ein völlig anderes Bild.

Aus einer Sachbearbeiterin wird eine exzellente Organisatorin. Aus einem Vertriebsmitarbeiter wird ein Mensch mit außergewöhnlicher Kommunikationsstärke. Aus einer Führungskraft wird jemand, der Konflikte lösen, Teams entwickeln und Veränderungen begleiten kann. Hinter jeder Berufsbezeichnung verbergen sich Talente, Erfahrungen und Fähigkeiten, die sich auf viele andere Tätigkeiten übertragen lassen.

Dein Lebenslauf erzählt, was Du getan hast. Deine Fähigkeiten erzählen, was Du künftig noch alles tun kannst.

Genau deshalb beginnt berufliche Neuorientierung nicht mit einer Bewerbung. Sie beginnt mit einem neuen Blick auf Dich selbst.

Praxisbeispiel: Anna, 26

Wer glaubt, Zukunftsängste hätten nur Menschen über fünfzig, irrt gewaltig. Anfang dieses Jahres lernte ich Anna kennen. Sie war gerade 26 Jahre alt, arbeitete erfolgreich im Bankwesen tätig und hatte objektiv betrachtet beste Karrierechancen. Trotzdem saß sie mir mit Tränen in den Augen gegenüber und sagte: „Ich halte das nicht mehr aus. Aber ich habe panische Angst, keinen neuen Job zu finden.“

Anna war engagiert, kreativ und fachlich hervorragend. Ihr Problem war nicht ihre Qualifikation. Ihr Problem war ihr Selbstbild. Sie glaubte, sie müsse erst perfekt sein, bevor sie sich bewerben dürfe. Jeder Blick in Stellenanzeigen verstärkte ihre Unsicherheit. Sie konzentrierte sich ausschließlich auf Anforderungen, die sie vermeintlich nicht erfüllte, und übersah völlig, was sie bereits mitbrachte.

In unseren Gesprächen arbeiteten wir zunächst nicht an Bewerbungsunterlagen, sondern an ihren Glaubenssätzen. Wir machten ihre Talente sichtbar, definierten ihre Werte und schauten uns an, welche Tätigkeiten ihr wirklich Freude bereiteten. Erst als Anna begann, sich selbst mit anderen Augen zu sehen, entstand wieder Zuversicht. Wenige Wochen später schrieb sie ihre ersten Bewerbungen. Kurz darauf erhielt sie mehrere Einladungen und entschied sich schließlich für ein Unternehmen, das viel besser zu ihren Vorstellungen passte.

Als sie mir nach ihrer Probezeit schrieb, stand in ihrer Nachricht ein Satz, den ich nie vergessen werde: „Ich hätte nie gedacht, dass auf der anderen Seite meiner Angst so viel Leichtigkeit wartet.“

Mut entsteht nicht am Anfang

Viele Menschen warten darauf, dass ihre Angst verschwindet. Sie hoffen auf den perfekten Zeitpunkt oder das Gefühl völliger Sicherheit. Beides wird meistens nicht eintreten. Mut ist kein Zustand, der plötzlich vom Himmel fällt. Mut entsteht in dem Moment, in dem wir den ersten Schritt gehen. Nicht vorher.

Deshalb lautet meine Empfehlung auch nie: Kündige sofort.

Meine Empfehlung lautet: Gewinne Klarheit. Finde heraus, welche Werte Dich leiten, welche Talente in Dir schlummern und welche Deiner Fähigkeiten im heutigen Job gar nicht mehr gefragt sind. Löse die Glaubenssätze auf, die Dich klein halten, und verabschiede Dich von den berühmten „Ja-aber“-Fallen. Genau dort beginnt Veränderung. Nicht mit einer Kündigung, sondern mit einer neuen inneren Haltung.

Ich selbst habe meinen PLAN B zweimal gelebt – privat mit dem Umzug von Hamburg an die Ostsee und beruflich mit meinem Neustart als Buchautorin und Beraterin. Deshalb weiß ich aus eigener Erfahrung: Veränderung fühlt sich am Anfang selten bequem an. Doch sie eröffnet Möglichkeiten, die wir aus der Komfortzone heraus niemals entdecken würden.

Fazit

Die Angst, keinen neuen Job zu finden, ist menschlich. Sie hat nichts mit Deinem Alter zu tun und auch nichts mit mangelnder Kompetenz. Sie entsteht immer dann, wenn unser Wunsch nach Sicherheit größer wird als unser Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Lass diese Angst nicht über Deine Zukunft entscheiden. Höre ihr zu, aber glaube ihr nicht alles. Schau stattdessen ehrlich auf das, was Du kannst, auf das, was Dich ausmacht, und auf das, was Du Dir für Dein Berufsleben wirklich wünschst. Die Arbeitswelt verändert sich. Das ist eine Tatsache. Gleichzeitig entstehen täglich neue Chancen für Menschen, die bereit sind, Verantwortung für ihre berufliche Zukunft zu übernehmen.

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, der Angst nicht das Steuer zu überlassen.

Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben!


Quellen

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